Grenzüberschreitende Zusammenarbeit des Löschzuges Rindern und der Brandweer Millingen aan de Rijn

Die Partnerschaft zwischen der Brandweer Millingen aan de Rijn und des Löschzuges Rindern ist deutschlandweit ein Vorreiter interkommunaler Zusammenarbeit und feiert im Jahr 2022 ihr 50-jähriges Bestehen.
Auf der folgenden Seite bieten wir Ihnen die Möglichkeit sich über diese besondere Partnerschaft und die verschiedenen Epochen der Selbigen zu Informieren.

Der Beginn der Partnerschaft

Am Abend des 09.03.1972 wurde sowohl auf deutscher als auch auf niederländischer Seite der Grenze ein Feuer auf dem auf der Grenze liegenden Bauernhof Gut Wassenberg gemeldet. Aufgrund der Größe des Einsatzes entschieden sich deutsche und niederländische Kräfte gemeinsam gegen die Flammen zu kämpfen. Trotz noch bestehendem Schlagbaum auf der Grenze arbeiteten beide gemeinsam daran Mensch und Tier vor den Flammen zu schützen. Bei der Koordination des Einsatzgeschehens wurden aufgrund der Größe des Einsatzes verschiedene Einsatzabschnitte gebildet. Ein Abschnitt wurde gemeinsam durch die Brandweer Millingen aan de Rijn und den Löschzug Rindern abgearbeitet. Gemäß dem Motto in den Farben getrennt in der Sache vereint funktionierte dies so gut, dass die beiden Einheitsleiter (Wim Megens von der Brandweer Milligen aan de Rijn und Alfred Wels vom Löschzug Rindern) beschlossen diese Zusammenarbeit zu intensivieren. Aus dieser für damalige Verhältnisse sehr besonderen Idee entstand eine bis heute anhaltende Partnerschaft aus der viele schöne Momente und Freundschaften hervorgegangen sind.

Die Anfänge (die ersten 25 Jahre)

Die ersten 25 Jahre der gemeinsamen Arbeit gestalteten sich anfangs zunächst als die beschwerlicheren, da damals an eine Freizügigkeit wie sie heute besteht kaum zu denken war, da es bis zu den Schengener Abkommen im Jahr 1985 noch eine reale Grenze gab. Die auch für die Wehrleute nicht so einfach zu passieren war. So geschah es nicht selten, dass nach einer gemeinsamen Übung zunächst die Grenzposten überzeugt werden mussten die Einheiten wieder ohne große Kontrollen ins jeweilige Land zu lassen.
Des Weiteren galt es auch Probleme technischer Natur zu beseitigen. So konnten die Wehrleute die niederländischen und deutschen Schläuche zunächst nicht miteinander verbinden. Daher machten sich eifrige Kameraden an die Arbeit und entwarfen passende Kupplungsstücke die auf der einen Seite die niederländischen Anschlüsse und auf der anderen Seite die deutschen Anschlüsse hatten. So konnten die Schläuche beider Wehren fortan miteinander verbunden werden.
Mit Abschluss der Anholter-Verträge im Mai 1991 wurde die Zusammenarbeit beider Wehren erheblich erleichtert und die deutschen Wehrleute konnten die Kameraden auf niederländischer Seite beliebig unterstützen.
Ein gemeinsamer Einsatz, welcher hier besondere Abstimmung zwischen allen Beteiligten erforderte war das Hochwasser im Jahr 1995. Dort fand ein täglicher Austausch zwischen Brandweercommandant Henk Hansen und dem damaligen Löschzugführer des Löschzuges Rindern Alfred Wels statt. Gemeinsam fuhren beide mindestens zweimal am Tag die neuralgischen Punkte des Deiches auf beiden Seiten der Grenze ab und überlegten das weitere Vorgehen.
Diese zur damaligen Zeit besondere Zusammenarbeit wurde auch von höherer Stelle gewürdigt. So sind vier Kameraden der Brandweer Millingen durch den deutschen Feuerwehrverband mit der Feuerwehr Ehrenmedaille für Internationale Zusammenarbeit ausgezeichnet worden. Hierunter auch die bereits erwähnten Wim Megens und Henk Hansen.
Im weiteren Verlauf fanden neben verschiedensten Übungen und Großeinsätzen auf der Millinger Seite der Grenze im Jahr 1997 die Feier zur 25-jährigen Partnerschaft beider Wehren statt. Hierzu haben die Kameraden auf beiden Seiten eine entsprechende Krawatte entworfen, welche bis heute noch zu euregionalen Anlässen getragen wird.

Die Gegenwart (die zweiten 25 Jahre)

Die zweiten 25 Jahre begannen zunächst damit das beide Einheiten bei Wettkämpfen der Feuerwehren in den jeweiligen Nachbarländern teilnahmen. So tritt die Brandweer Milligen aan de Rijn seit Jahren beim obligatorischen Leistungsnachweis der Feuerwehren des Kreises Kleve an. Auch die Rinderner Kameraden nehmen seit Jahren beim sogenannten Brandweerwedstrijd teil, welchen Sie bereits diverse male für sich entscheiden konnten.
In den frühen 2000er Jahren wurde dann eine Studentin auf die Partnerschaft aufmerksam und erforschte diese aus verschiedensten Blickwinkeln. Als Produkt ihrer Studienarbeit erstellte Sie ein Wörterbuch mit den wichtigsten feuerwehrtechnischen Begriffen auf Deutsch und in Niederländisch.
Des Weiteren wurde mit Blick auf die exzellente Ersthelferausbildung der niederländischen Wehr eine weitere Studie durch eine Studentin angefertigt, welche die Hilfsfristen beleuchtet und potentielle First Responder Einsätze im Grenzgebiet vorgeschlagen hat.
Um die Partnerschaft weiter voran zu treiben startete dann im Jahr 2016 das von den Kameraden in Eigenleistung initiierte Euregioprojekt „Veiligheid zonder grenzen“. Im Rahmen dieses Projektes wurde die Zusammenarbeit noch einmal gefestigt und konnte an vielen Stellen sogar gestärkt werden. Als besondere Highlights sind die gemeinsamen Übungen am Trainingsbasse Weeze zu nennen. Hier konnten die Kameraden unter realen Einsatzbedingungen den Ernstfall erproben.
Das Aushängeschild des Projektes war allerdings der Abschluss der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen der Veiligheidsregio Gelderland-Zuid und der Stadt Kleve im Jahr 2018. Diese Vereinbarung regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Einsatz der niederländischen Kameraden auf deutscher Seite der Grenze. Der entsprechende Festakt wurde gemeinsam mit den Schirmherren des Projektes Generalkonsul Ton Lansik, dem Bürgermeister der Stadt Nijmegen Hubert Bruls und der ehem. Bürgermeisterin der Stadt Kleve Frau Sonja Northing im Euregioforum abgehalten.
Des Weiteren wurden beide Wehren für ihre über Jahre vorbildliche Zusammenarbeit im Jahr 2019 mit der Auszeichnung Grenzlandeuropäer des Jahres ausgezeichnet.
Im weiteren Verlauf ist noch der Einsatz in einem Betrieb für Landmaschinentechnik im Ortsteil Keeken im September 2020 hervorzuheben. Dort hatten die niederländischen Kameraden ihren ersten Einsatz innerhalb Deutschlands.
Zusätzlich gab es in den letzten 25 Jahren regelmäßig verschiedenste Übungen und Einsätze, welche gemeinsam bestritten wurden.
Kontakt
Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Rindern e. V.
Serntstraße 11
47533 Kleve
Telefon: 02821 18315
E-Mail: info@foerderverein-ffrindern.de